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Anschlag! Plakate der jüngsten Vergangenheit

31. Januar bis 30. März 2003

Die Plakatsammlung des Stadtgeschichtlichen Museums der Hansestadt Wismar umfasst circa 3900 Exemplare.

Aus diesem reichen Fundus wurden für die Sonderausstellung 78 Exponate aus der Zeit ab 1946 ausgewählt, die sich direkt auf Wismar beziehen. Sie hingen in Wismar aus, wurden hier hergestellt oder künden von Ereignissen und Veranstaltungen, die für Wismar wichtig waren. Wenn auch inzwischen mit den elektronischen Medien preiswertere und weitreichendere Kommunikationsmittel zur Verfügung stehen, so hat das Plakat als Werbeträger noch immer nicht ausgedient. Wer an dessen aktueller Bedeutung zweifelt, bedenke die massenhafte Plakatierung zum Beispiel zu Wahlkampfzeiten.
Unmittelbar nach Kriegsende konnte die Bevölkerung nur mit Hilfe von Anschlägen über Anordnungen und Befehle der Besatzungsmächte informiert werden. In den Nachkriegsjahren wurde das Plakat zum auflagenstärksten Medium für die Propaganda der Parteien, Massenorganisationen und amtlichen Stellen.
Das Plakat spielte eine wichtige Rolle bei der Verbreitung der gewünschten Leitbilder. Theater und Kulturbund warben für ihre Veranstaltungen. Themen der Wirtschaftswerbung waren die Leistungssteigerung der Beschäftigten und der Betriebe, die Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktion und der sparsame Umgang mit Rohstoffen.

Mit der Einführung und Verbreitung des Fernsehens ab 1957 änderte sich die Bedeutung des Plakats in der DDR. Stärker als bisher wurde seine Gestaltung nun als künstlerische Aufgabe verstanden. In den ausgestellten Plakaten begegnete man Veranstaltungen wie dem Hanseatenrennen oder der Ostseewoche und Organisationen wie dem FDGB, der DSF oder der GST. Kürzel, die inzwischen für manchen Nachgeborenen schon aufgelöst und erklärt werden müssen. Wendepunkte und herausragende Einzelereignisse der Stadtgeschichte wie der Abzug der britischen Besatzungstruppen 1945 oder der Arbeiteraufstand vom 17. Juni 1953, der in Wismar erst mit einem Tag Verspätung aufflammte, sind in Anschlägen dokumentiert.

Aufgrund ihrer zeitlich begrenzten Lebensdauer sind Plakate stets gegenwartsbezogen und daher unmittelbare Zeitzeugen. Als Auftragskunst vermitteln sie die Wahrheit der Herausgeber. Die Plakate der Ausstellung präsentierten folglich das Bild, das die DDR öffentlich von sich zeichnete. Inwieweit dieses Bild von dem individuellen Erleben der Zeitzeugen und den Ergebnissen der historischen Forschung abweicht, daraus wurde während der Ausstellung ein spannender Dialog.